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9. Pressekonferenz zum Coronavirus im Landkreis Freising

Die Lage stabilisiert sich. Das ist im Gesundheitsamt, im Klinikum und auch in den Arztpraxen im Landkreis Freising zu spüren. „Es ist etwas Ruhe eingekehrt“, sagte beispielsweise Dr. Mark Bardenheuer, der als Versorgungsarzt im Landkreis tätig ist in der neunten Pressekonferenz zum Coronavirus. Doch alle Beteiligten bereiten sich darauf vor, dass sich die Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen sowie die Öffnung vieler Geschäfte und Schulen auf die Infiziertenzahl auswirken könnten.

 

Im Landkreis Freising sind (Stand 23. April, 14 Uhr) mittlerweile 884 Coronavirus-Fälle nachgewiesen, 629 Menschen sind bereits wieder genesen. 38 Menschen sind an oder mit COVID-19 verstorben.

 

Im Klinikum Freising ist die Anzahl der Corona-Patienten im Vergleich zur Vorwoche etwas gesunken. Aktuell liegen 35 positiv Getestete im Krankenhaus, zehn davon auf der Intensivstation und davon wiederum müssen sieben beatmet werden, berichtete der Ärztliche Direktor PD Dr. Markus Neumaier. In den Arztpraxen sei es „ruhig“, sagte Georg Miedl vom Ärztlichen Kreisverband Freising. Es kämen inzwischen wieder vermehrt Patienten mit anderen Erkrankungen. „Doch wir sind gespannt, wie es weitergeht, und versuchen sehr vorsichtig zu sein.“ Versorgungsarzt Bardenheuer fügte hinzu: „Wir sind in Erwartung der zweiten Welle.“ Die Konzepte seien gut etabliert. Daher sei man im Landkreis gut aufgestellt, um bei einem erneuten Anstieg der Infektionen die ärztliche Versorgung sicherzustellen. Auch wurden inzwischen vier Schwerpunktpraxen eingerichtet, die "strategisch günstig im Landkreis verteilt" liegen - in Freising, Hallbergmoos, Attenkirchen und Moosburg.

 

„Auch in der Führungsgruppe Katastrophenschutz ist der Respekt vor einer neuen Welle groß“, sagte deren Leiter Tobias Diepold. Daher wird weiterhin zahlreiches Schutzmaterial beschafft, um die verschiedenen Empfänger verteilen zu können.

 

Für den Schulstart gerüstet

Dazu zählen nun auch die Schulen in Trägerschaft des Landkreises Freising. Zum Start des Unterrichts für die Abschlussklassen am kommenden Montag wird der Landkreis einmalig für jeden Schüler und jede Lehrkraft je eine Maske zur Verfügung stellen – quasi ein „Starterset“, wie es Florian Plajer nannte, der am Landratsamt für die Schulen zuständig ist. Damit gehe man über die Forderungen der Staatsregierung hinaus, denn das Kultusministerium hält eine Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht bisher für nicht erforderlich. Aber im Bus zur Schule wird sie ab Montag Pflicht.

 

Auch in Sachen Reinigung der genutzten Schulräume ist der Landkreis vorbereitet. Diese werden mindestens einmal täglich gereinigt. Kontaktflächen mit Personen (also Tische, Bänke, Türgriffe, Handläufe etc.) werden zunächst einmal täglich desinfiziert. Ob und in welchem Umfang diese Flächendesinfektion auch bei künftigem Vollbetrieb der Schulen aufrechterhalten werden kann, ist derzeit noch offen. Für die Handhygiene werden immer ausreichend Flüssigseifenspender und Handtuchspender vorhanden sein. Die Sekretariate bekommen Trennscheiben, Mensa und Pausenverkauf bleiben geschlossen.

 

An der Realschule Freising Gute Änger wird ab Freitag, 24. April, das sogenannte Contact Tracing Team (CTT) seine Arbeit aufnehmen. Das sind 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von der Regierung von Oberbayern nach Freising abgeordnet wurden, um das Gesundheitsamt bei der Nachverfolgung von Kontaktpersonen zu unterstützen. Diese Aufgabe erledigen seit einigen Wochen Bedienstete des Landratsamts, die eigentlich in anderen Bereichen tätig sind. Diese sollen nun nach und nach wieder ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen können. „Damit wir den normalen Betreib des Landratsamtes langsam wieder aufnehmen können“, so Landrat Josef Hauner. Die Arbeitsplätze des CTT sind in einem eigenen Flügel der Schule untergebracht, der über ein separates Treppenhaus zugänglich ist. „Vielen Dank an die Schulleitung, die uns den Trakt bis mindestens Ende der Sommerferien zur Verfügung stellt“, erklärte Plajer.

 

Testergebnis via Handy abrufen

Eine Neuerung gibt es bei der Teststelle am Landkreisbauhof in Zolling. „Seit gestern können Getestete ihr Testergebnis über ihr Handy selbst abfragen“, sagte Hubert Böck, Leiter Rettungsdienst beim BRK-Kreisverband Freising, der dort Abstriche durchführt. Die Leute bekämen ein Kärtchen, könnten den Code abscannen und sehen dann ihr Ergebnis. „Grün für negativ, Blau für noch in Arbeit, Rot für positiv.“ Das Labor habe zugesagt, dass das Ergebnis innerhalb von 48 Stunden vorliegen sollte. Das Rote Kreuz hat ein Callcenter eingerichtet, in dem täglich drei Mitarbeiter die Termine für die Teststelle koordinieren.

 

169 Transporte von Coronapatienten hat der Rettungsdienst des BRK bereits durchgeführt, 80 davon mit Notarzt. Wichtig war Hubert Böck eines: Wer einen Rettungswagen ruft, soll es dringend bereits gegenüber der Leitstelle erwähnen, falls Symptome wie Husten oder Fieber vorliegen, also der Verdacht einer Corona-Infektion bestehen könnte. „Damit schützen Sie unsere Mitarbeiter!“ Wenn es wärmer wird, rechnet die Wasserwacht zusätzlich mit vermehrten Einsätzen, „wenn die Menschen am Badesee schwimmen gehen“.

 

Die Corona-Teststelle betreibt das BRK in Zusammenarbeit mit der Johanniter-Unfall-Hilfe, deren Ehrenamtliche ebenfalls mithelfen, die Krise zu bewältigen. „Wir haben den Auftrag, die Bevölkerung mit allem zu versorgen, was lebensnotwendig ist“, sagte deren Vertreter Heinrich Märkl. In den vergangenen drei Wochen habe man speziell die Asylbewerberunterkunft in Attenkirchen mit Lebensmitteln versorgt, weil die Bewohner unter Quarantäne standen. Außerdem habe man eine Telefonnummer für die Gemeinden geschaltet, falls dort Menschen Hilfe brauchen. „Unsere knapp 100 Ehrenamtlichen sind voller Tatendrang.“

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