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Corona – eine immense Herausforderung für die Bildungsakteure im Landkreis Freising: Hochschule

Die Corona-Pandemie stellt den gesamten Bildungsbereich vor eine Ausnahmesituation. Wie gehen die Bildungsakteure im Landkreis Freising mit dieser großen Herausforderung um und welche neuen Wege gehen sie? Die Geschäftsstelle der Bildungsregion Freising stellt beispielhaft Verantwortliche und ihr Krisenmanagement aus der Region vor und möchte dazu ermutigen, sich gegenseitig auszutauschen, um so miteinander diese Krise zu bewältigen. Diesmal hat sich die Geschäftsführerin der Bildungsregion, Barbara Berger, mit Prof. Dr. Markus Reinke, Vizepräsident der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, unterhalten. Er ist in seiner Funktion zuständig für den Bereich Forschung und Wissenstransfer.

 

Das Corona-Virus hat seit Mitte März den Landkreis Freising im Griff. Welche Auswirkungen hat Corona auf den Tagesablauf der Studierenden?

Reinke: Der Vorlesungsbetrieb läuft seit dem 20. April online ab. Das bedeutet, dass die Studierenden bis auf wenige Ausnahmen keine Präsenzveranstaltungen haben.

 

Wie muss man sich den Online-Vorlesungsbetrieb vorstellen?

Reinke: Die Inhalte der Vorlesungen stehen als vertonte Präsentationen oder Videoaufzeichnungen auf einer Austauschplattform zur Verfügung. Je nach Semester werden diese Dateien freigeschaltet. Die Dauer und Inhalte der Einheiten orientieren sich am herkömmlichen Stundenplan. Ergänzend hierzu gibt es weiterführende Literatur, ebenfalls in digitaler Form und auch Online-Fragestunden.

Die Hochschule hat außerdem eine Softwarelizenz für Videokonferenzen gekauft, die allen Mitarbeitern und Studenten zur Verfügung steht. Somit können alle Benutzer Besprechungen, Fragestunden oder Lerngruppen abhalten. Zudem besteht die Möglichkeit, sich in Foren und Chats auszutauschen.

 

Wie hat die Hochschule die Herausforderung angenommen?

Reinke: Der Lockdown kam genau zum Semesterstart und wir mussten den regulären Vorlesungsbetrieb komplett absagen. Das Ministerium gab uns dann die Vorgabe, am 20. April 2020 im Onlinebetrieb an den Start zu gehen und das haben wir auch geschafft.

 

Welche Maßnahmen haben Sie getroffen?

Reinke: Die Hochschule hat sofort das Kompetenzteam „Digitale Lehre“ einberufen, um zu klären, wie das Semester gestartet werden kann. Priorität hatte die Sicherstellung der Arbeitsfähigkeit der Hochschulangehörigen. Das Krisenteam erstellte Handlungsanweisungen und Tutorials für Dozenten, gab Empfehlungen für die Digitalisierung der Vorlesungen und ermittelte den zusätzlichen Bedarf an Hard- und Software zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben. So haben wir z.B. für das höhere Datenaufkommen einen neuen Medienserver angeschafft. Mittlerweile kommen Experten für Didaktik dazu, die Tipps geben, wie Online-Lehrformate optimal gestaltet werden können. Ein Newsletter des Zentrums für Studium und Weiterbildung der Hochschule informiert seit Ausbruch der Pandemie alle Hochschulangehörigen rund um das Thema Corona.

 

Wie sieht der neue Alltag für die Lehrkräfte an der Hochschule aus?

Reinke: In den ersten fünf Wochen waren die Lehrkräfte damit beschäftigt, sich selbst zu organisieren und ihren Vorlesungsstoff zu digitalisieren. Da die reguläre Lehrtätigkeit im Vorlesungssaal derzeit wegfällt, liegt nun der Schwerpunkt in der Kommunikation mit den Studierenden mittels Videokonferenzen, Fragestunden, etc.

 

Was bedeutet Digitalisierung für das Studieren?

Reinke: Die Vorteile liegen eindeutig in der Flexibilität. Die Studierenden sind zeit- und ortsunabhängig. Sie können ihre Nebenjobs und Familienstrukturen besser unter einen Hut bringen und in ihrer eigenen Lerngeschwindigkeit studieren. Wenn sie den Unterrichtsstoff nicht verstanden haben, hören sie sich die Dateien einfach so oft an, wie sie möchten. Das Online-Studium verlangt von den Studierenden allerdings eine wesentlich bessere Selbstorganisation. Das ist aber im Hinblick auf das bevorstehende Berufsleben eher positiv zu sehen.

Was fehlt sind die sozialen Kontakte. Mal ein Bier mit den Kommilitonen trinken gehen, im persönlichen Austausch sein – das ist momentan schwierig. Gerade für unsere ausländischen Studierenden ist das ein großer Nachteil. Diese Menschen sind zum Teil zu sehr isoliert, da nur wenige Studierende vor Ort sind und auch Begegnungsräume, z. B. die Mensa, geschlossen sind.

 

Können alle Veranstaltungen digital abgebildet werden?

Reinke: Nein, klassische Präsenzveranstaltungen wie Labor- und Geländepraktika können nicht oder nur sehr eingeschränkt digital abgebildet werden. Derzeit nehmen wir diese Veranstaltungen aber wieder in Kleingruppen auf. Um den zeitlich höheren Aufwand abzumildern, haben wir die Dauer der Termine eingeschränkt. Die Betreuung der Kleingruppen ist aber umso intensiver.

 

Welche Lerneffekte gibt es für die Hochschule durch die Krise?

Reinke: Die Krise hat uns bezüglich Digitalisierung einen großen Schritt nach vorne gebracht. Die Scheu davor ist zurückgegangen und es liegt nun ein Backup vor, das wir weiterhin nutzen können. Wir sind gespannt auf die Evaluierung, die pro Semester und Modul durchgeführt wird. Die Studierenden geben jetzt schon ein positives Feedback und die Auswertungen zur Erreichbarkeit zeigen, dass wir zwischen 80 und 100 % aller Studierenden an Bord haben. Das kommende Wintersemester wird allerdings nochmal herausfordernd. Da beginnen die internationalen Masterstudiengänge, für die die Inhalte auf Englisch vertont werden müssen.

 

Herr Professor Dr. Reinke, vielen Dank für den sehr interessanten Einblick und viel Erfolg weiterhin für die Hochschulbildung am Standort Weihenstephan.

 

Wer sich mit Professor Dr. Markus Reinke austauschen möchte, kann sich per E-Mail an markus.reinke[at]hswt.de direkt an ihn wenden. Alle wichtigen Informationen zu Corona im Landkreis Freising sind auf der Homepage des Landratsamts Freising unter https://lrafs.de/covid19 zu finden. Wer Fragen zur Bildungsregion Freising hat, kann sich an bildungsregion[at]kreis-fs.de wenden.

Lehre in Zeiten von Corona: Prof. Dr. Markus Reinke im digitalen Austausch mit Studierenden.

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