„Das ist das alte Eching“: Spektakuläre Funde bei archäologischer Grabung in Eching

„Ich glaube, das ist das alte Eching.“ Birgit Anzenberger vom Archäologischen Büro Anzenberg & Leicht ist erfreut über die Funde, die bei der archäologischen Untersuchung der Fläche, auf der das neue Baugebiet Eching-West entstehen soll, bisher entdeckt wurden. Die sind nämlich spektakulär. Spuren aus drei verschiedenen geschichtlichen Epochen weisen die Befunde auf: aus der Glockenbecherkultur, der frühen Bronzezeit und dem frühen Mittelalter. „Wir hatten in den letzten Jahren nirgends so aufregende Funde wie hier“, sagte Kreisarchäologin Delia Hurka, als die bisherigen Ergebnisse der Presse und einer großen Zahl von interessierten Bürgerinnen und Bürgern vor Ort präsentiert wurden.

 

Seit mehreren Monaten sind die Archäologen auf dem Areal südlich der Hollerner Straße ab Werk. Dass hier Bodendenkmäler vorhanden sind, sei bereits seit den 1980er Jahren klar, erklärte Dr. Martin Pietsch, Gebietsleiter des Landesamtes für Denkmalpflege. Auf einem seinerzeit geknipsten Luftbild seien Kreisgräben erkennbar. „Die Befunde müssen dokumentiert werden, um für spätere weitere Funde eine wissenschaftliche Grundlage zu schaffen“, sagte Landrat Josef Hauner, der sich bei den Beteiligten herzlich für die Bemühungen sowie bei Gemeinde und Grundstücksbesitzer für das Verständnis bedankte. Landratsamt und der Archäologische Verein Freising bemühten sich seit Jahren, die Archäologie im Landkreis voranzubringen. „Wir sind schließlich ein Kultur-Landkreis“, so Hauner. Daher arbeiteten der Verein, das Landesamt für Denkmalpflege sowie die Kreisarchäologin inzwischen eng zusammen.

 

Von der Vorgeschichte bis ins frühe Mittelalter

Neben verschiedenen Siedlungsspuren von der Vorgeschichte bis ins frühe Mittelalter heben sich besonders zwei Gräbergruppen auf der Ausgrabungsfläche hervor. Im Nordwesten der Grabungsfläche konnten die Archäologen im Boden eine Reihe von vier Kreisgräben beobachten.  Die Knochen waren in den meisten Fällen eher schlecht erhalten, trotzdem konnten die Bestattungen aufgrund ihrer typischen Hockerlage und der Ausrichtung sicher als Menschen der Glockenbecherkultur (2600 und 2200 v. Chr.) angesprochen werden. Diese zeichnet sich durch ihre sehr strenge und regelhafte Bestattungssitte aus, in der die Ausrichtung im Grab nach Geschlecht unterschieden wurde. „Die Männer lagen auf der linken Körperseite mit dem Kopf im Norden, die Frauen auf der rechten Seite mit dem Kopf im Süden. Beiden gemeinsam ist die angehockte Stellung und der Blick nach Osten“, erklärte Hurka.

 

„Das ist ganz bedeutend, denn bisher gibt es im Landkreis Freising fast nichts aus dieser Zeit“, sagte die Kreisarchäologin. Die Grabgruppe aus der Glockenbecherkultur sei „die erste jemals im Landkreis entdeckte und dokumentierte“. In den Gräbern fanden die Archäologen fein gearbeitete Schalen, Tassen und natürlich auch einige der charakteristischen, namensgebenden glockenförmigen Becher.

 

Wertvolle Funde

Eines der Gräber tritt durch die besonders reiche Ausstattung mit zahlreichen, teils sehr großen Bernsteinperlen, fünf kleinen Goldperlen und einem dünnen, an den Schmalseiten fein durchlochten Goldblech in den Vordergrund. Nicht nur das wertvolle Material, sondern auch das sehr seltene Vorkommen dieser Goldbleche macht dieses Grab fast einzigartig. „In ganz Bayern kannte man bisher nur drei Fundstellen mit glockenbecherzeitlichen Goldblechen. Jetzt sind es vier“, sagte Anzenberger.

 

Eine zweite Grabgruppe datiert in die frühe Bronzezeit (2200 bis 1600 v. Chr.). „Frühbronzezeitliche Gräber gibt es im Landkreis bisher nur in Eching“, sagte Hurka. Außerdem wurden Befunde wie Brunnen, Gruben, Pfostenlöcher und eine große Anzahl an Grubenhäusern, den letzten Resten einer Siedlung des frühen Mittelalters (6. bis 11. Jh. n. Chr.) zu Tage gefördert. Insgesamt rechnet Birgit Anzenberger mit „etwa 2000 Befunden“. Bislang sind rund 1230 ausgegraben worden, die Arbeiten „werden also noch ein bisserl dauern“. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde laufe jedoch sehr gut. Das bestätigte auch Bürgermeister Sebastian Thaler, der sich sehr angetan zeigte: „Ich bin gespannt, ob ich heute den ersten Echinger kennen lerne.“ Ob es davor auch schon Menschen in dem Gebiet gab, steht noch nicht fest. Sicher aber ist, was Anzenberger allen Echingern zurief: „Das ist Ihre Geschichte, die Geschichte Echings und der Leute, die hier leben.“

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