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Erfahrungsaustausch der Bildungsakteure zum Thema „Bildung und Corona“

Auswirkungen der Corona-Krise auf die Bildung: Darüber haben verschiedene Akteure aus dem Landkreis Freising kürzlich bei einem Erfahrungsaustausch diskutiert. Im großen Sitzungssaal des Landratsamtes Freising trafen sich Verantwortliche aus unterschiedlichsten Bereichen wie Kita, Schule, Hochschule, VHS, Lebenshilfe, Musikschule, Seniorenbeirat, Verwaltung und Politik. „Die Krise stellt den gesamten Bildungsbereich vor große Herausforderungen“, stellte die Geschäftsführerin der Bildungsregion Freising, Barbara Berger, zunächst fest. „Gerade jetzt“ sei es besonders wichtig, „sich auszutauschen, um voneinander zu wissen und voneinander zu lernen“.

 

Die Teilnehmer berichteten, wie sie Abstands- und Hygieneregeln in ihren Einrichtungen umsetzen und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben. So fehlt es insbesondere an genügend Raumkapazitäten, ob für Prüfungen an den Schulen oder für Kursangebote an der VHS. Die Vorgaben in den Hygienekonzepten seien nicht einfach umzusetzen, beispielsweise seien Abstandsregeln im Kindergarten kaum einhaltbar. Odilo Zapf, Leiter der städtischen Musikschule, teilte mit, man habe alles darangesetzt, zeitnah den Musikunterricht wieder sicherzustellen, und bedankte sich bei Bürgermeisterin Eva Bönig, die die Stadt Freising vertrat, für die Unterstützung.

 

Die Umstellung auf digitale Lernangebote und Kommunikationssysteme gestaltet sich im Landkreis ebenfalls als sehr herausfordernd. Zum einen seien die Einrichtungen sehr unterschiedlich mit Hardware ausgestattet, zum anderen seien digitale Lernformate nicht für alle Zielgruppen gleich gut geeignet, berichtete Schulamtsdirektorin Irmintraud Wienerl.  Björn Zaddach, Schulleiter des Förderzentrums der Lebenshilfe, ergänzte, wie schwierig es sei, Homeschooling für Schwerbehinderte anzubieten. Auch mangele es an Fortbildungen für den Umgang mit Video- und Konferenztools.

 

Kreishandwerksmeister Martin Reiter teilte mit, die Vermittlung von Ausbildungsplätzen in Corona-Zeiten sei äußerst schwierig. Dabei seien noch genügend Ausbildungsplätze vorhanden, aber der Informationsfluss an die Schulabgänger sei natürlich durch die Absagen von Berufseinstiegsmessen und anderer Veranstaltungen sehr kompliziert gewesen.

 

Die Vertreter der Hochschulbildung erläuterten auf beindruckende Weise, welche Maßnahmen sie ergriffen haben, um innerhalb kürzester Zeit komplett auf Online-Lehre umzuschalten. Sie listeten auf, wie das Zusammenspiel von asynchroner Lehre (vertonte PowerPoint-Videos) und synchroner Lehre (Meetings mit Whiteboard, Gruppenarbeiten in Breakout-Räumen) funktioniert und den neuen Alltag von Studierenden bestimmt. Wo es bereits möglich ist, werden wieder Präsenzveranstaltungen durchgeführt.

 

Ganz andere Aspekte brachte Rita Schwaiger, Vorsitzende des Kreisseniorenbeirats, in die Diskussion. Einerseits habe sie insbesondere zu Beginn der Krise eine sehr große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung gespürt, z.B. durch Angebote wie Einkaufshilfen in der Nachbarschaft. Andererseits machte sie darauf aufmerksam, dass manche Senioren auch vereinsamen, da sie an Bildungsangeboten oftmals nicht teilhaben könnten, entweder aus gesundheitlichen Gründen oder weil sie mit den digitalen Medien nicht zurechtkommen.

 

„Große Sorge bereitet den Eltern die Ungewissheit darüber, wie das neue Schuljahr ab September vonstattengehen und wie die Defizite des vergangenen Halbjahres nachgeholt werden sollen“, sagte die Vertreterin der Elternbeiräte, Dr. Marion Thuro. Auch psychische Auswirkungen der Krise und zunehmende Gewalt in Familien wurden von Vertretern des Amtes für Jugend und Familie thematisiert.

 

Für wünschenswert hielten die Teilnehmer unter anderem eine bessere Absprache zwischen den Ministerien, klarere Vorgaben, wie das neue Kita- und Schuljahr gestaltet werden soll, mehr Unterstützung in IT-Fragen und einen weiteren Austausch zwischen den Bildungseinrichtungen. In einem waren sich alle einig: Die Stärken der Präsenzlehre sind mit den Stärken der digitalen Lehre zu vernetzen.

Barbara Berger ist Geschäftsführerin der Bildungsregion Feeising.

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