Freisinger Bürger verfolgt vom Nazi-Regime – Ausstellung im Dom-Gymnasium

Der Mensch, und nicht die abstrakte Zahl, im Mittelpunkt einer Ausstellung: 15 Freisinger Bürgerinnen und Bürger, von den Nationalsozialisten aus ihrem Leben gerissen, aus einem Leben, in dem sie gerade noch als Kaufmann hochgeachtet waren, als Verkäuferin im Marcus-Haus arbeiteten oder etwa als Schüler Bestnoten erreichten. Gerade durch diese Betrachtungsweise fand die Ausstellung „Wenn Steine sprechen könnten – Jüdisches Leben in Freising zur Zeit des Nationalsozialismus“ bei ihrer Eröffnung am 27. Januar im Dom-Gymnasium großen Beifall.

 

„Außergewöhnlich“, nannte sie Charlotte Knobloch, die sich besonders von den Recherchearbeiten der Schülerinnen und Schüler für die Ausstellung, ebenso wie von der Feierstunde, angetan zeigte. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern dankte den Rednern, dem Schulleiter Manfred Röder, Dr. Ludwig Spaenle als „Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe“, Landrat Josef Hauner und Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher für deren „bewegende Worte“. Der 27. Januar war außerdem der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Nur drei der 15 verfolgten Freisinger Bürger überlebten ihn.

Knobloch lobte die Dokumentationen der Schüler, die in einem P-Seminar entstanden

 

„Selbst wenn es noch so schrecklich, noch so grausam, noch so verkehrt ist: Vieles erscheint uns weit weg, wenn wir keinen unmittelbaren Bezug dazu haben“, sagte Hauner. Dass sich die heutigen Schüler mit den Schicksalen Freisinger Bürger – zwei waren ehemalige Schüler des Dom-Gymnasiums – befasst hätten, sei hingegen sehr aufrüttelnd. „Und aufzurütteln und wach zu bleiben gegen sich einschleichenden Antisemitismus, ist unerlässlich.“

 

In der Zeit nach dem Regime der Nationalsozialisten habe man sich oft gefragt, wie so etwas passieren konnte, sagte Eschenbacher. Er mahnte an, wie wichtig es ist, schleichende Prozesse im Blick zu behalten: „In den Sozialen Medien herrscht heute oft ein Ton, der noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.“

 

„Diese Ausstellung zeigt die Menschen nicht nur in ihrem Leid, sondern auch vor dem, was ihnen angetan wurde“, lobte Knobloch die Dokumentationen, die in einem P-Seminar entstanden. Sie äußerte die Bitte, die Ausstellung auch der jüdischen Gemeinde in München zur Verfügung zu stellen. „Wir stehen an der Schwelle zu einer Zeit ohne Zeitzeugen. Deswegen werde ich den Stab der Erinnerung an euch weitergeben“, so wandte sich Knobloch an die Schüler. „Ich bin stolz darauf, dass ihr den Stab annehmen werdet.“

 

Die Ausstellung „Wenn Steine sprechen könnten“ ist bis einschließlich 8. Februar in der Säulenhalle des Dom-Gymnasiums und anschließend im Freisinger Stadtarchiv zu sehen.

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