Fachkräftemangel in der Region München verschärft sich

Die Nachfrage nach Fachkräften ist in der Region München deutlich größer als das verfügbare Angebot. In den Landkreisen Freising, Erding, Dachau, Ebersberg, Fürstenfeldbruck, Starnberg sowie in Stadt und Landkreis München werden bis Ende dieses Jahres über alle Berufsgruppen hinweg etwa 60.000 Fachkräfte fehlen. Aufgrund dieses Engpasses können 5,2 Prozent aller in der Region angebotenen Arbeitsplätze für Fachkräfte nicht besetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Auswertung des IHK-Fachkräftemonitors Bayern.

 

Gesucht werden zu etwa 90 Prozent beruflich qualifizierte Mitarbeiter. Ganz oben auf der Wunschliste der Betriebe stehen Industriemeister in der Mess- und Prüftechnik, CAD-Konstrukteure oder REFA-Techniker. Hier kann fast jede sechste Stelle nicht besetzt werden. Bei den Akademikern fehlen v.a. Maschinenbauingenieure. Mit 1.097.000 Fachkräften sind derzeit rund 65 Prozent des oberbayerischen Fachkräfteangebots in der Region München angesiedelt.


„Der Fachkräftemangel bremst die bayerische Wirtschaft massiv. Betriebe müssen Aufträge verschieben oder ablehnen, weil die Kapazitäten nicht vorhanden sind. So entgeht Oberbayern eine Wirtschaftsleistung von schätzungsweise 7,6 Milliarden Euro allein in diesem Jahr, in ganz Bayern sind es 17 Milliarden“, sagt Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). „Der Fachkräftemangel gehört aktuell zu den größten Problemen der regionalen Wirtschaft. 46 Prozent der Betriebe – so viele wie noch nie – sehen die zunehmenden Personalengpässe als Risiko für ihr Geschäft“, so Driessen weiter.


Im bayernweiten Vergleich ist Oberbayern am meisten vom Personalengpass betroffen. Hier fehlen in absoluten Zahlen 89.000 Fachkräfte, das sind fast 40 Prozent des bayerischen Defizits von insgesamt 227.000. Bis 2030 wird die Lücke in Oberbayern auf 155.000 Personen anwachsen, in der Region München werden dann 105.000 Stellen unbesetzt sein.


„Viele Branchen leiden darunter, dass die Nachwuchskräfte an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts vorbei ein Studium und akademische Abschlüsse anstreben“, sagt BIHK-Chef Driessen. Dabei seien Meister und Fachwirte wegen ihrer großen Praxiserfahrung viel gesuchter und hätten oftmals bessere Karriere- und Verdienstaussichten als Akademiker, so Driessen. Der BIHK-Chef fordert auch mehr Frauen als Fach- und Führungskräfte, um den Personalengpass in der Wirtschaft zu lindern. Außerdem setzt sich der BIHK angesichts des Fachkräftemangels für ein besseres Image der beruflichen Ausbildung, mehr Zuwanderung und flexiblere Renteneintritte ein.

 

Den Vorschlägen für ein verlängertes Arbeitslosengeld zur Qualifizierung erklärt der BIHK eine klare Absage: „Das ALG-Q wäre als riesige Weiterbildungsbrücke in die Rente der neuerliche Beginn eines Fachkräfte-Aderlasses. Die ‚Rente mit 63‘ hat dem Arbeitsmarkt deutschlandweit bereits Hunderttausende dringend benötigte Fachkräfte vorzeitig entzogen“, sagt Driessen.