Solarkreisliga: Elf Gemeinden haben das 100-Prozent-Ziel erreicht

Am 29. März 2007 hat der Kreistag beschlossen, dass der Landkreis Freising bis zum Jahr 2035 die Energiewende geschafft haben soll. Exakt zehn Jahre danach ist man auf einem guten Weg. 70,6 Prozent des verbrauchten Stroms hat werden aus erneuerbaren Energien selbst erzeugt. Das geht aus der neuen Broschüre hervor, die am Mittwoch, 29. März, im Zuge der Solarkreisligafeier vorgestellt wurde. Doch die Bereiche Wärme und Verkehr hinken noch deutlich hinterher und auch der Zubau von „Stromlieferanten“ ist in den vergangenen Jahren ins Stocken geraten. „Wir brauchen einen klaren Plan mit konkreten Maßnahmen, um unser Ziel zu erreichen. Diesen wollen wir 2017 entwerfen“, kündigte Landrat Josef Hauner an.

 

Der Klimawandel ist da und er wird immer dringlicher. Das war eine der Kernbotschaften des Vortrags von Raimund Becher von den Solarfreunden Moosburg im Rahmen der Feier zur Solarkreisliga. „Die Meere steigen an, sie werden wärmer und saurer“, sagte er. Das habe Auswirkungen auf das Wettergeschehen, Hochwasser und Dürren seien die Folge. Der Ausstoß von Treibhausgasen müsse deutlich reduziert werden. „Wir brauchen eine Überlebensstrategie.“ Das Klimaabkommen von Paris sei positiv, aber zu halbherzig. „Die Politik auf allen Ebenen gerät unter Druck und die deutsche Politik wird die Kommunen künftig verstärkt in die Pflicht nehmen“, prophezeite Becher. Diese müssten die Aufgabe annehmen, aktiv sein und sich eigene Ziele setzen.

 

„Was in Paris im vergangenen Jahr beschlossen wurde, hat der Landkreis Freising schon vor zehn Jahren konsequent und richtig gemacht“, lobte Dr. Andreas Horn vom Verein Sonnenkraft Freising. Und die Zahlen für den Landkreis schauen gar nicht so schlecht aus. Der Stromverbrauch sank 2016 im Vergleich zum Vorjahr, der Anteil der erneuerbaren Energien stieg leicht an, so dass die Lücke zwischen Verbrauch und Erzeugung um knapp 30 Millionen auf „nur noch“ 239 Millionen Kilowattstunden schrumpfte.

 

Elf 100-Prozent-Gemeinden

Elf Gemeinden im Landkreis versorgen sich inzwischen selbst mit mehr Strom aus erneuerbaren Energien als sie verbrauchen. Wieviel man mit Photovoltaik erreichen kann, zeigt Attenkirchen, das sogar 31,2 % mehr Strom erzeugt als verbraucht – nur aus Sonnenenergie. Die weiteren 100-Prozent-Gemeinden sind Fahrenzhausen, Gammelsdorf, Haag, Hohenkammer, Kirchdorf, Kranzberg, Paunzhausen, Rudelzhausen, Wang und Zolling.

 

Den Pokal für die Gemeinde, die im Erfassungszeitraum – das Jahr 2015 – den meisten Zubau von Photovoltaik und Solarthermie zu verzeichnen hatte, erhielt Bürgermeister Prof. Dr. Dr. Hans Eichinger aus Wang. Platz zwei ging an Mauern vor Attenkirchen. Erstmals ermittelt wurde diesmal der Solarkreismeister in der Kategorie „Elektromobilität“. Hier setzte sich Freising vor Wolfersdorf und Langenbach durch.

 

Sektorkopplung

Während der Landkreis beim Strom schon relativ gut vorangekommen ist, hakt es noch bei den Bereichen Wärme und Mobilität. Heizöl und Kraftstoffe komplett zu ersetzen sei quasi unmöglich, zeigte Andreas Henze vom Verein Sonnenkraft Freising auf. Das Zauberwort heißt „Sektorkopplung“: Wärme müsse verstärkt mit elektrisch betriebenen Wärmepumpen erzeugt werden. Zusätzlich, so Henze, sei es wichtig, möglichst viele ältere Gebäude energetisch zu sanieren. Und auch Kraftstoffe müssten mit Strom produziert werden. Wobei Henze darauf hinwies, dass reine Elektroautos eine größere Reichweite hätten und somit weniger Strom benötigten. „Eigentlich müssten wir alles, was geht, mit Elektroautos fahren.“

 

Die Folge ist: Die Erzeugung von Ökostrom muss drastisch erhöht werden. „Für eine vollständige Dekarbonierung müssen wir zweimal so viel Strom erzeugen wie heute.“ Die meisten Potenziale stecken in der Sonnen- und Windenergie. „Hier muss die Politik umsteuern.“ Zubauziele für erneuerbare Energien deutlich anheben und die 10H-Regel in Bayern wieder abschaffen, forderte Henze.

 

Plan zur Energiewende wird erarbeitet

Applaus aus dem Publikum erntete deshalb Landrat Hauner auch, als er ankündigte, im Landkreis Freising werde heuer ein Plan ausgearbeitet, um das Ziel 2035 zu schaffen. „Wir müsen genau überlegen, was wir als Landkreis unternehmen können.“ Dafür seien drei Aspekte von besonderem Interesse. Einsparungen und Effizienzmaßnahmen, massiver Ausbau der Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien und Sektorkopplung. Hauner rief den Bürgermeistern und Gemeindevertretern zu: „Lassen Sie uns gemeinsam wieder Fahrt aufzunehmen und unsere eigene, dezentrale Energiewende durchführen.“

Elf Gemeinden haben 2015 mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt als sie verbraucht haben

Die diesjährigen Solarkreismeister

Die grünen Flecke auf der Landkreiskarte haben die Stromwende bereits erreicht

Andreas Henze mahnte mehr Aktivität an

Die Vertreter der Gemeinden lauschten den spannenden Ausführungen interessiert

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