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Ein Stück Normalität in einer schwierigen Zeit: Schwer erkrankte Schüler können per Avatar am Unterricht teilnehmen

Nicht immer ist der Wunsch nach einem täglichen Schulbesuch bei Kindern und Jugendlichen wirklich riesig. Doch für Lena wäre genau dies, „ganz normal in die Realschule gehen zu können“, ein großer Traum. Die 13-Jährige leidet an der seltenen, aber schweren und nahezu unerforschten Multisystemerkrankung ME/CFS. Der Schulbesuch in Moosburg ist ihr seit dem März vergangenen Jahres nahezu unmöglich. Allerdings kann die Jugendliche immer wieder – sofern es ihr Zustand gerade zulässt – stundenweise von zuhause aus am Unterricht teilnehmen. Ein kleiner Roboter macht’s seit wenigen Wochen möglich.

 

Im Rahmen der Schulleitungstagung im Oktober 2023 sei der Wunsch an den Landkreis Freising herangetragen worden, Avatare für langzeiterkrankte Kinder anzuschaffen, erläutert Christiane Malecki, Schulkoordinatorin des Landkreises. „Einige Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Erkrankungen können den Präsenzunterricht nicht besuchen. Avatare ermöglichen eine andere Art der Teilhabe. Zusätzlich zur Möglichkeit, dem Unterricht zu folgen und sich aktiv zu beteiligen, ist die psychosoziale Komponente sehr wichtig.“ Die erkrankten Kinder würden nicht so schnell in Vergessenheit geraten und könnten soziale Kontakte besser halten.

 

Nachdem sich der Landkreis entschieden hatte, zwei solcher Avatare für eine Testphase anzuschaffen, sind diese Geräte nun in der Kastulus-Realschule in Moosburg und in der Abenstal-Realschule in Au im Einsatz. Der Moosburger Rektor Wolfgang Korn ist von dem „neuen Schüler“ äußerst angetan: „Die Geräte ermöglichen es den kranken Kindern, zuhause aktiv – durch Meldungen und Aufgerufenwerden – und passiv, wenn es dem Kind nicht so gut geht, teilzunehmen. Die Akzeptanz in den Klassen und bei den Lehrkräften ist absolut groß, weil man einem kranken Kind die Teilhabe am Schulleben ermöglichen kann.“ Rein unterrichtlich sei der Avatar ebenfalls eine große Unterstützungsmöglichkeit – zum Teil in Verbindung mit Hausunterricht oder dem aktiven Austausch zwischen Schule und Schüler. Korn: „Nach den ersten Wochen des Einsatzes haben wir bislang nur positive Erfahrungen gesammelt.“

 

Auch von den erkrankten Schülern habe die Realschule sehr positive Rückmeldungen erhalten. „Sie fühlen sich viel mehr als Teil der Klasse als vorher, können bei Partner- und Gruppenarbeiten mitwirken und auch in den Zwischenstunden mit den Mitschülern reden.“ Die erkrankten Schüler können per App und Tablet den Kopf des Avatars steuern und erleben so den Unterricht viel intensiver als durch reines Streamen.

 

Was die 13-jährige Lena bestätigen kann. „Auch wenn es anstrengend ist, nehme ich sehr gern direkt am Unterricht teil. Der Kontakt zur Klasse ist richtig schön und das Dabeisein ist für mich das Allerwichtigste“, so die Realschülerin, die nahezu täglich Kontakt zu den Helfern – ein Junge und ein Mädchen – in der Klasse hat. Diese Freunde kümmern sich in der Schule um das Abholen des Avatars bei der Schulleitung.

 

Wolfgang Korn stellte vor wenigen Tagen Landrat Helmut Petz den Einsatz des Avatars im Unterricht einer achten Klasse vor. „Der Mehrwert des Avatars ist aus meiner Sicht deutlich zu erleben, der Aufwand – nach den organisatorischen Arbeiten zu Beginn – sehr überschaubar“, so der Moosburger Schulleiter. „Den betroffenen Schülerinnen und Schülern wird ein Unterrichtsalltag geboten, der ihnen auf dem schwierigen Weg ihrer Lebensphase hilft, auch weil der schulische Druck und die Frustration, aus dem Alltag gerissen zu werden, dadurch vermieden oder zumindest deutlich verringert werden.“

 

Helmut Petz zeigte sich sehr angetan von den kleinen Robotern; die Anschaffungskosten von rund 5.000 Euro pro Stück seien moderat. Der Freisinger Landrat regte an, weitere Avatare für die Landkreisschulen zu erwerben, falls es die finanziellen Möglichkeiten zulassen. „Der Bedarf in den Schulen ist definitiv vorhanden“, ergänzte Schulkoordinatorin Christine Malecki.

 

Landrat Helmut Petz machte sich bei seinem Besuch der Moosburger Realschule ein Bild vom Einsatz eines Avatars im Unterricht.

Partner- und Gruppenarbeiten sind durch den Avatar ebenso möglich wie Gespräche mit den Mitschülern.

Schwer erkrankte Kinder wie die 13-jährige Lena sind über ein Tablet zuhause und den Avatar im Klassenzimmer in den Unterricht eingebunden.

Realschulleiter Wolfgang Korn (li.) und Landrat Helmut Petz informierten sich bei einer achten Klasse von den Erfahrungen mit dem Einsatz des Avatars.

Über den Avatar können langfristig erkrankte Schüler den Unterricht mitverfolgen und sich sogar aktiv einbringen.

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