Jedes Jahr kommt der Landkreis Freising seinem Ziel ein gutes Stück näher. Spätestens im Jahr 2035, so sagt es ein Beschluss des Kreistags, soll der gesamte Energiebedarf aus erneuerbaren Energien zu decken sein. Zumindest beim Strom ist man inzwischen sehr nah dran: 91,1 Prozent des im Landkreis verbrauchten Stroms sind über regenerative Quellen erzeugt worden. „Die Energiewende ist bei uns im Landkreis voll in Fahrt“, sagte Klimaschutzmanager Daniel Siflinger bei der Solarkreisligafeier am Mittwoch, 22. April, im Großen Sitzungssaal des Landratsamts Freising.
Insgesamt 770 Millionen Kilowattstunden Strom sind im Jahr 2024 (aktuelle Datenbasis) im Landkreis verbraucht worden, 701 Millionen Kilowattstunden wurden mit Sonne, Wind, Wasserkraft oder Biomasse produziert. „Es fehlen uns also noch ca. 70 Millionen Kilowattstunden. Wir sind nah dran, die Lücke zu schließen“, erläuterte Andreas Henze von der Solarregion Freisinger Land. Spätestens 2028, so Henze, werde es so weit sein, denn dann würden im Landkreis Windkraftanlagen am Netz sein, die jährlich rund 76 Millionen Kilowattstunden erzeugen können.
Landrat Helmut Petz ist noch optimistischer: Nach Schätzungen des Fraunhofer Instituts werden schon heute 17 Prozent des durch Photovoltaikanlagen erzeugten Stroms selbst verbraucht und tauchten deswegen gar nicht in der Statistik auf. „Ich glaube, wir sind schon einen guten Schritt weiter.“
Der Energiewendebeschluss aus dem Jahr 2007 sei „zukunfts- und richtungsweisend“ gewesen, betonte der Landrat. Und in den vergangenen Jahren seien alle Beteiligten „mit großem Enthusiasmus herangegangen. Ob Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen oder Gemeinden: „Alle haben sich richtig reingehängt. Danke, dass alle so gut zusammenarbeiten.“ Der Landkreis, der aufgrund fehlender Zuständigkeiten in dem Bereich sehr begrenzte Handlungsmöglichkeiten habe, trete mehr als Moderator und Berater auf. Sehr wichtig sei jedoch der Beschluss des Kreistags gewesen, Landschaftsschutzgebiete für den Bau von Freiflächen-PV-Anlagen zu öffnen. „Wenn das nicht passiert wäre, dann wären wir heute bei der Photovoltaik lange nicht so weit“, sagte Henze.
„Wir müssen den eingeschlagenen Weg weitergehen“, sagte Klimaschutzmanager Siflinger. Denn damit sämtliche fossilen Brennstoffe ersetzt, damit auch die Bereiche Mobilität und Heizung mit Strom betrieben werden können, muss noch viel mehr Strom erzeugt werden. Nach Berechnungen der Autoren der neuen Broschüre „Strom aus Erneuerbaren Energien“ erreichen Solar- und Windstrom erst ein Fünftel des dafür notwendigen Bedarfs. Es müssten nach aktuellem Stand über 1100 Millionen Kilowattstunden zusätzlich pro Jahr erzeugt werden. Der scheidende Landrat Petz jedenfalls ist mit dem schon Erreichten zufrieden: „Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Und ich wünsche der Energiewende im Landkreis weiterhin eine gute Zukunft.“
Solarkreismeister ausgezeichnet
Insgesamt 14 von 24 Landkreisgemeinden haben im Berichtsjahr 2024 mindestens genauso viel Strom produziert wie sie verbraucht haben und wurden deshalb traditionsgemäß geehrt. Zu den 100%-Gemeinden gehören Attenkirchen, Fahrenzhausen, Hohenkammer, Kirchdorf, Kranzberg, Moosburg, Nandlstadt und Paunzhausen. Gammelsdorf, Haag, Hörgertshausen, Rudelzhausen, Wang und Zolling sind 225%-Gemeinden – das heißt, sie erzeugen sogar mehr als 225 Prozent ihres Stromverbrauchs im Jahr 2019.
Solarkreismeister im Bereich Zubau neuer Photovoltaikanlagen ist diesmal Gammelsdorf, vor Marzling und Au. Im Bereich Elektromobilität hat sich wie schon im Vorjahr Kranzberg durchgesetzt, wo pro 1000 Einwohner 9,99 Elektrofahrzeuge neu zugelassen wurden, gefolgt von Haag (8,47) und Wang (7,68).
Zum Programm der Solarkreisligafeier gehörten auch zwei interessante Vorträge. Raimund Becher von den Solarfreunden Moosburg warf einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Klima- und Energiepolitik, während Franziska Kohl, Klimaanpassungsmanagerin am Landratsamt Freising, darüber sprach, mit welchen Maßnahmen wir uns auf die sich verändernden klimatischen Verhältnisse vorbereiten und diesen begegnen können.