Der Schutz von Natur und Umwelt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Jeder Einzelne kann durch kleine Maßnahmen mithelfen. Doch dafür braucht es das Bewusstsein, wie wertvoll unsere natürlichen Ressourcen, unsere Tiere und Pflanzen, sind. „Du musst ein Gefühl für die Schönheit der Natur entwickeln“, sagt Landrat Helmut Petz. Genau da setzt die Einrichtung „Umweltbildung Landkreis Freising“ an, die nun offiziell gegründet wurde.
Schon seit 2023 verstärkt die Naturschutzverwaltung am Landratsamt Freising ihr Angebot im Bereich Umweltbildung und hat seitdem vier Projekte für Grundschulklassen entwickelt und durchgeführt. Über 3700 Kinder im Landkreis Freising konnten sich bereits mit dem Lebensraum Ampertal, dem Leben in der Wiese und der Hecke oder dem Klimaschutz beschäftigen. Dieses Jahr gibt es zusätzlich für neunte Klassen ein Planspiel zum Freisinger Moos und Schulen können sich bei ihrer Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit unterstützen lassen.
„Als Kind haben mich vor allem die ‚Big Five‘ der Tiere interessiert“, sagte Landrat Petz im Rahmen der Gründungsveranstaltung am 15. April 2026 im Großen Sitzungssaal des Landratsamts. Löwe, Elefant oder Nashorn konnte er allerdings nur im Zoo erleben. „In unserem reichhaltigen Garten habe ich aber die vielen anderen kleinen Geschöpfe kennen gelernt.“ Als er im vergangenen August eins der Bildungsangebote im Ampertal besucht habe, habe er erlebt, mit welcher Faszination die Grundschulkinder die Artenvielfalt bestaunten und mit Becherlupen und Eimern ausgestattet den Lebensraum erkundeten. „Manche Kinder sind zum ersten Mal barfuß in der Wiese oder im Bach gestanden.“
Es zeigt sich immer wieder: Wenn Kinder die Natur selbst erleben dürfen, entsteht ein anderes Verständnis, und auch eine tiefere Wertschätzung. „Was wir lieben, das schützen wir.“ Prof. Dr. Mandy Singer-Brodowski ging in ihrem Vortrag „Emotionen und Umweltbildung/Bildung für nachhaltige Entwicklung – Neuland mit Herausforderungen“ darauf ein, wie wichtig Wissen und aktive Teilnahme sind. „Wenn wir einen Bezug zu den Arten, Tieren und Ökosystemen aufbauen, dann schützen wir sie auch“, sagte die Expertin von der Universität Regensburg. „Zeit in der Natur beeinflusst unser Verhalten.“
Mit Bezug auf die aktuelle Weltlage gehe es den jungen Menschen nicht gut, sagte Singer-Brodowski. „In Hinsicht auf globale, nachhaltigkeitsbezogene Fragen überwiegen Angst, Traurigkeit und Wut.“ Studien zeigten, dass sich heute sehr viele junge Leute über „nicht ambitionierte Klimapolitik“ ärgern. Sie riet dem Publikum, das u.a. aus Vertreterinnen und Vertretern von Politik, Hochschulen, Volkshochschulen und aus den Bereichen Umwelt und Bildung bestand, solche Emotionen zu als gesunde Antwort auf die existentielle Krise ernst zu nehmen und Handlungsoptionen für die Schülerinnen, Schüler und Studierenden in den Mittelpunkt zu stellen. „Wenn sie etwas bewegen können, dann stärkt sie das.“
„Wir können aber nicht warten, bis die Kinder groß sind“, sagte Dr. Judit Tuschak, die als Leiterin der neuen „Umweltbildung Landkreis Freising“ (ULF) durch die Veranstaltung führte. Das ULF möchte die Themenschwerpunkte Naturbildung/Naturerfahrung, Klimabildung, Artenschutz und Vernetzung/Kooperation setzen. Die Angebote sollen sich insbesondere an Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten richten, aber auch an andere Gruppen wie Vereine. Zusätzlich sollen Lehrpfade und Ausstellungen auch Einzelpersonen erreichen, z.B. die aktuelle Ausstellung „Frosch und Falter brauchen Hilfe!“ zum Artenschutz im Kreuzgang des Landratsamts.
Durch die Neugründung sollen die Aktivitäten der zum Teil ehrenamtlich tätigen Umweltpädagoginnen und Umweltpädagogen sichtbarer werden. „Und wir wollen behutsam expandieren“, so Tuschak. Es werden Kooperations- und Projektpartner gesucht, aber auch mehr ehrenamtliche Mitarbeiter und vor allem auch Sponsoren und Spender. Ein größeres Gelände wäre sehr vorteilhaft, weil die Nachfrage das auf dem Umweltbildungsgelände des ULF das dort mögliche Angebot schon jetzt übersteigt.
Landrat Petz hat die Einrichtung von Beginn an mit Überzeugung gefördert. Der Landrat drückte seine Freude darüber aus, dass wir dieses Anliegen ans Ziel gebracht haben.“ Die Anzahl der anwesenden Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zeige, „dass das kommunale Interesse vorhanden ist“.