Wussten Sie, dass Thomas Manns Roman „Dr. Faustus“ einen Bezug zu Freising hat? „Doktor Faustus und der Marstall“ heißt das neue Projekt des Vereins udei e.V. Das dazu gehörige Theaterstück samt thematischer Ausstellung von Thomas Goerge ist in der kommenden Woche im Marstall des Landratsamts Freising zu erleben. Veranstalter ist udei e.V., Kollektiv für KunstGeSchichten, mit freundlicher Unterstützung des Landkreis Freising, Heimatpflege und Kultur.
Nach dem mit dem Anerkennungspreis des Inklusionspreis des Bezirks Oberbayern ausgezeichnetem Projekt „FAUST der FRAUEN“ widmet sich der udei e.V. erneut dem Faust-Thema. Der Mythos des Teufelspaktes erscheint angesichts politischer Umbrüche, Globalisierung und künstlicher Intelligenz aktueller denn je.
Für das Projekt ist der Marstall nicht nur Spielort, sondern wird selbst zum Mitwirkenden, als historischer Körper, in dem jahrhundertealte Freisinger Geschichte erlebbar ist. Von der Brauerei des Klosters Neustift und dem Pferdestall einer Kaserne der bayerischen Armee über die Tuchfabrik Feller bis zum Mehrzweckraum des Landratsamtes Freising. Wie diese historischen Schichten des Marstalls finden sich literaturgeschichtliche Spuren im Roman „Doktor Faustus“ von Thomas Mann, die neben Goethes „Faust“ auf frühere Quellen, wie dem Volksbuch oder den Faust-Puppenspielen zurückreichen.
Während des Zweiten Weltkrieges schrieb Thomas Mann im kalifornischen Exil seinen Roman „Doktor Faustus“. Darin beginnt der fiktive Dom-Gymnasiums-Professor Serenus Zeitblom seine Aufzeichnungen in einem „kleinen Studierzimmer zu Freising an der Isar“ über den Komponisten Adrian Leverkühn.
Thomas Manns Bruder Viktor studierte in Weihenstephan Agrarwissenschaften und diente im Ersten Weltkrieg als Leutnant beim 9. Bayerischen Feldartillerie-Regiment, das bis 1905 im heutigen Landratsamt stationiert war. Da es in Freising keine Hinweise auf Viktor Mann oder auf die Romanfigur Serenus Zeitblom gibt, wissen viele Freisinger nicht, dass ihre Stadt Teil der Weltliteratur ist.
Mit dem Projekt erkundet der udei e.V. die Freising-Bezüge des Romans „Doktor Faustus“ von Thomas Mann und die vielschichtige Historie des Marstalls. Eine Besonderheit ist die begehbare Rauminstallation von Thomas Goerge, Allun Turner und Anja von Wins mit original Perchten- und Teufelsmasken des Schnitzer-Duos Schwoaga Loavn aus Lauffen im Salzkammergut.
Die Ausstellung „Rauminstallation mit den Teufelsmasken“ ist von Montag, 4. Mai, bis Samstag, 9. Mai 2026, täglich von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Am Samstag, 9. Mai, ab 14 Uhr können Besucherinnen und Besucher zusätzlich
Beim Schau-Schnitzen zuschauen, wie Schwoaga Loavn eine Teufelsmaske herstellt.
Die Aufführungen des Theaterstücks „Doktor Faustus und der Marstall“ finden am Freitag, 8. Mai, und Samstag, 9. Mai, jeweils um 19.30 Uhr sowie am Sonntag, 10. Mai, um 11 Uhr im Marstall des Landratsamts Freising (Landshuter Str. 31, 85356 Freising) statt. Karten zu je 20 Euro für Erwachsene und zu je 15 Euro für Ermäßigte sind im Internet unter www.udei.de zu erwerben. Restkarten gibt es an der Kasse. Der Saal ist barrierefrei erreichbar.
Bildunterschrift:
Thomas Goerge bei der Anprobe des Mephisto-Kostüms.